Marketing für Kommunikationsdesigner: So gewinnt jangled nerves neue Kunden

Thomas Hundt im Interview: Marketing für Kommunikationsdesigner - So gewinnt jangled nerves neue Kunden

Thomas Hundt ist Mitbegründer von jangled nerves in Stuttgart. Die Kreativagentur, spezialisiert auf Kommunikation im Raum, führt Design, Architektur, Film, Medien und Redaktion unter einem Dach zusammen. Parallel dazu lehrt er an der HfT Stuttgart im Bereich Architektur und Kommunikation.

Für das Vlow! Magazin gibt er exklusive Einblicke in seine Agentur und zeigt, wie Marketing für Kommunikationsdesigner funktionieren kann.

 

Franz Sauerstein, Vlow! Magazin: Herr Hundt, jangled nerves ist eine Kreativagentur, die sich auf Kommunikation im Raum spezialisiert hat. Sie unterscheiden sich damit von generischen Kreativagenturen. Wie leben und kommunizieren Sie Ihre Alleinstellungsmerkmale?

Thomas Hundt, jangled nerves: Indem wir das Quäntchen kreativer sind und konsequenter an die Themen rangehen. Im Namen jangled nerves steckt bereits die Idee drin, dass wir Nerven reizen. Tote Nerven sind doch völlig uninteressant.

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Wir leben die Grundhaltung, für unsere Auftraggeber auch einmal unbequem zu sein. Die Entwicklung der Projekte zeigt dann, dass das noch mal Nachdenken, das noch mal In-Frage-Stellen zu einem besseren Ergebnis führt. Ein Auftraggeber hat einmal zu uns gesagt: „Agenturen, die genau das machen, was ich will, helfen mir ja auch nicht weiter.“

Trauen Sie sich, den Erfolg Ihrer Kunden aktiv in die Hand zu nehmen und auch einmal kritisch zu argumentieren.
Trauen Sie sich, den Erfolg Ihrer Kunden aktiv in die Hand zu nehmen und auch einmal kritisch zu argumentieren.

Franz Sauerstein:  Sie sind also deutlich kritischer als Ihre Mitbewerber und sehen sich eher als Handwerker statt als Schraubenzieher?

Thomas Hundt: Genau. Für uns steht über jedem Briefing auch die Formulierung „Protect me from what I want“. Wir sind eben nicht reine Erfüllungsgehilfen – Kunde brieft und wir setzen es um. Idealerweise beginnt die Zusammenarbeit mit einem kritischen Dialog, in den sich beide Seiten einbringen und dann eine optimale Lösung finden.

Franz Sauerstein:  Würden Sie sagen, dass dieser kritische Dialog etwas ist, wo potenzielle Kunden oder Kunden zum ersten Mal merken: „Huch, diese Kreativagentur ist irgendwie anders als die, mit denen ich bis jetzt zusammengearbeitet habe?“

Thomas Hundt: Wir hören gelegentlich von Kunden, dass die Zusammenarbeit mit uns erfrischend ist, dass es anders ist, neue Aspekte einbringt, ganzheitlich ist.

Dass es auch mal das „Ja, aber“ gibt und nicht immer nur das „Ja“.

Tatsächlich erleben wir es immer wieder, dass Kunden offensichtlich häufig mit Agenturen zusammenarbeiten, die sich mehr in der Erfüllung und Dienstleistung sehen.

Für viele ist es überraschend, dass es auch mal das „Ja, aber“ gibt und nicht immer nur das „Ja“.

Franz Sauerstein:  Bevor es überhaupt zu diesen kritischen Gesprächen mit potentiellen Kunden kommen kann, müssen sich Fremde natürlich erst einmal für Sie interessieren. Wie funktioniert Ihre Marketingstrategie? Also wie werden Fremde, die noch nie etwas von Ihrer Agentur oder Ihrer Arbeit gehört haben, überhaupt zu Kunden? Was passiert da?

Thomas Hundt: Wenn sich jemand, der im Marketing tätig ist, genau anschauen würde, wie wir unser Marketing betreiben, würde der die Hände über den Kopf zusammenschlagen. (lacht)

Wir haben bewusst sehr früh auf sehr hohe Gestaltungsqualität und auf das konzeptionelle Durchdringen unserer Projekte gesetzt. Das war anfangs keine Strategie, sondern kam aus der Grundhaltung und dem Gestaltungsverständnis von Ingo Zirngibl und mir. Ich glaube, dass dies ein sehr, sehr großer Erfolgsfaktor für uns war.

Wir haben schon sehr früh tolle Design Awards gewonnen. In den relevanten Kundenkreisen sorgt dies für Aufsehen. Fachabteilungen in Unternehmen sehen die Awardveröffentlichung, sprechen uns an und laden uns zu einem Wettbewerb ein, indem man sich dann wieder durchsetzt.

Dann kommt man mit jedem abgeschlossenen Projekt sowie jedem zufriedenen Kunden ein Stück weiter und zu sehr viel Mund zu Mund-Propaganda.

Das sieht man auch an unseren extrem langen Kundenbeziehungen. Viele unserer derzeitigen Kunden haben wir bereits seit der Gründung. Und durften sie über Jahre hinweg betreuen – erfreulicherweise häufig auch mit wachsenden Budgets und wachsendem Umsatz.

Franz Sauerstein:  Ich halte fest, dass diese Marketingstrategie nicht von Anfang an geplant war – und Ihr Erfolg durch das Aufbauen eines Publikums durch das Gewinnen der Awards baute. Würde das heute auch noch funktionieren?

Thomas Hundt: Ob das heute genauso funktioniert, ist schwer zu sagen.

Inzwischen haben diese Awards eine unglaubliche Entwicklung durchgemacht. Sie sind von kleinen, hochqualifizierten Qualitätslabels zu richtigen Unternehmen geworden, die veröffentlichen und weltweit Netzwerke spinnen.

„Ich finde überhaupt nicht mehr alles gut, was in diesen Awards passiert.“

Ich finde überhaupt nicht mehr alles gut, was in diesen Awards passiert. Das Atomisieren der einzelnen Kategorien macht es Kunden unglaublich schwer zu selektieren: Wenn ein Design Award-Buch 1000 oder 2000 Seiten umfasst, ist das Selektieren für Entscheider kaum mehr möglich.

Fast jeder wird in irgendeiner Awardkategorie ausgezeichnet. Das, was uns bei der Gründung half, ist heute so direkt nicht mehr möglich.

Franz Sauerstein:  Wenn Sie also heute noch mal neu starten würden, wie würden Sie dann vorgehen, um Ihre ersten fünf oder zehn Kunden zu akquirieren?

Thomas Hundt: Wir hatten einige Kunden schon, bevor wir wirklich mit jangles nerves gestartet sind. Das hat sich aus dem Studium heraus entwickelt.

Ingo Zirngibl und ich haben – da wir uns unter den Architekturstudenten relativ früh intensiv mit Computern beschäftigten – schon während des Studiums kleine Animationen, Filme, Visualisierung und Storytelling für Bauprojekte gemacht.

Nach dem Studium fanden wir in einer großen Planungsgesellschaft unsere Homebase, agierten von dort aus und haben uns dann zwei Jahre nach dem Diplom selbstständig gemacht.

„Die ersten zehn Kunden waren bei Gründung schon da.“

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon einen kleinen Kundenstamm; Kunden, die wir bis dahin eben als Freelancer betreut hatten. Die ersten zehn Kunden waren bei der Gründung also schon da. Hinsetzen, Computer installieren und fragen: „So, wo kommen jetzt eigentlich Kunden her?“ funktioniert nicht.

Im Prinzip hat der weiche Einstieg dann zur Gründung der GmbH geführt. Ab dem Moment, in dem man mehrere Mitarbeiter für Projekte braucht, muss alles gesellschaftsrechtlich auf eine solide Basis gestellt werden.

Franz Sauerstein:  Vielen Dank! Und das alles führt dazu, dass Sie Ende Oktober auf der Vlow! als Speaker zu sehen sein werden.

Haben Sie einen ganz persönlichen Erfolgstipp für junge, angehende Kommunikationsdesigner?

Thomas Hundt: Pflegen Sie Ihre Neugier und Empathie!

Zur Neugier: Akzeptieren Sie Dinge nicht einfach, wie sie sind. Krempeln Sie alles um, hinterfragen Sie, kommen Sie hinter die Funktionsweise von Dingen.

Ich habe vier Kinder im Alter zwischen 5 und 14 Jahren und manchmal leider den Eindruck, dass unsere Gesellschaft, auch unser Schulsystem, sehr viel dieser frühen und angeborenen Neugier mit der Zeit eindämmt.

Ich empfehle wirklich jedem, diese kindliche Neugier zu behalten oder sogar weiter auszubauen, damit  man dann neue Ideen kreieren kann, Dinge entdeckt, die so vielleicht bisher niemand gesehen hat.

Und das ist am Ende auch genau das, was einen Kunden oder Auftraggeber begeistert. Der möchte nicht hören, was er schon weiß oder bereits hat, sondern er sucht nach etwas Neuem – vielleicht einen neuen Aspekt seiner Marke oder seiner Produkte.

Zur Empathie: Es geht heute für einen guten Gestalter meines Erachtens nicht darum, dass er sich selbst auslebt. Dann sollte er besser freie Kunst studieren. Es geht vielmehr darum, sich permanent in andere Menschen hineinzuversetzen.

Wenn wir Ausstellungen gestalten, fragen wir uns ständig: Wie erlebt das ein Vater mit drei Kindern? Wie erlebt das ein junges verliebtes Pärchen?  Wie erlebt das ein älterer Herr mit seinem Enkel?

Man darf sich aber nicht nur in den Besucher versetzen, sondern auch immer Empathie für den Auftraggeber entwickeln. Natürlich hat auch der Interessen, die man verstehen und entdecken muss. Wenn das gut gelingt, sind nachher sowohl die Besucher als auch die Auftraggeber und man selber glücklich.

Franz Sauerstein: Ich bedanke mich für Ihre Zeit und für das großartige Interview und wünsche Ihnen viel Spaß auf der Vlow! im Oktober.

 

Autor: Franz Sauerstein

Franz Sauerstein schreibt für die Vlow! 2016 über Themen für Grafikdesigner und Architektinnen, Szenografen, Fotografinnen, Audio/Video-Gestalter und Führungskräfte aus den Bereichen Branding, Marketing und Werbung. Er selbst ist Berater, Moderator und Trainer und hilft mittelständischen Unternehmen online dramatisch mehr Umsatz zu generieren.

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