Mario Müller macht Innovation planbar – so sind Sie auf Zuruf kreativ

Mario Müller macht Innovation planbar – so sind Sie auf Zuruf kreativ

„Ich wär’ gern mal für zehn Minuten in Ihrem Kopf“ hat mal eine meiner Seminarteilnehmerinnen zu mir gesagt. Zwei Jahre später wollte eine andere sich mein Gehirn gleich für eine halbe Stunde ausleihen. Vorstellungskraft und Kreativität sind etwas tolles und alle wollen sie gerne haben.

Ist ja auch klar, weil beide unser Leben bunter machen, weil Vorstellungskraft und Kreativität uns als Menschen gesünder und zufriedener machen und ganz nebenbei zu nützlichen und wertschöpfenden Ideen führen.

Aber Sie wissen das ja – schließlich arbeiten Sie in der Kreativbranche!

Aber kennen Sie das? Zäh wie Akazienhonig an Kinderfingern hält sich aber das Gerücht, Kreativität sei angeboren, ein Talent, eine Gabe oder eben eine spezielle Form von Sprung in der Schüssel, den man irgendwie mitbringen müsste.

Die gute Nachricht ist, dass Sie gerade einen Artikel von einem Fachmann lesen, der das Gegenteil beweist und Ihnen verrät, wie Sie mit einem zeitlichen Zusatzaufwand von null Minuten pro Tag Ihren Kreativmuskel weiter trainieren können wie Arnold seinen Bizeps – oder es ganz einfach Ihrem Team zeigen können.

Kreativität ohne Zusatzaufwand

Null Minuten deshalb, weil Sie diejenige Zeit gezielt nutzen können, in der Sie normalerweise damit beschäftigt sind, sich zu ärgern, dass Sie nichts tun. Wann immer Sie also warten – auf den Bus, auf Ihre Begleitung, auf den Aufzug, im Aufzug, im Bus, in der Schlange beim Gemischtwarendiscounter Ihres Vertrauens, im Restaurant – ab jetzt können Sie diese beiden Übungen beliebig ausführlich oder auch binnen Sekunden durchführen.

Übung Nummer eins

Übung Nummer eins geht so: schauen Sie in die Wolken. Wenn keine Wolken verfügbar sind, schauen Sie auf irgendetwas, das eine unordentliche Struktur hat; Asphalt, halb abgeplatzter Rauputz, Teppich, Holz, Jeans, jede Art von Flecken – Flecken sind ein großartiger Wolken-Ersatz.

Wolkentraining Übung 1
Schauen Sie in die Wolken – was sehen Sie?

Schauen Sie also in die Wolken wie früher als Kind und sehen Sie, was Sie sehen. Selbst, wenn Sie das Jahrzehntelang nicht gemacht haben, dauert es nur Sekunden oder ein Minütchen, bis Sie dort erste Gesichter, Tiere und andere Wesen sehen. Lassen Sie sich einfach drauf ein. Fortgeschrittene sehen ganze Szenen, Landschaften, Gemüse, alles. Vielleicht müssen Sie sich aber auch erst einmal mit Drachen begnügen, bis Sie Ihren ersten Brokkoli sehen.

Gesichter sehen wir als erstes, weil ein kleines Hirnareal namens area fusiformis ganz wild darauf ist, Gesichter von Menschen und wilden Tieren auch in gefährlich diffusem Licht zu erkennen. Wenn Sie Ihre ersten Gesichter sehen und in den sich bewegenden Wolken immer wieder neue, verrückte Sachen erkennen, dürfen Sie Ihrem Gehirn metaphorisch auf die Schulter klopfen, denn Sie haben den ersten Schritt gemacht, das Geheimnis pfiffiger Leute zu lüften.

Pfiffige Leute

Pfiffige Leute, also Leute, denen Ideen und Lösungen in den Schoß fallen wie Sterntaler, nutzen ihre Vorstellungskraft, ausformuliert die Fähigkeit, mentale Bilder zu erzeugen, effizienter als andere.

Ob man das dazu nutzt, Skulpturen zu formen, einen Werbefilm zu ersinnen oder die Knautschzone zu erfinden, ist letztlich Geschmackssache. Unser Gehirn besteht brachial vereinfacht zur Hälfte aus Motorikzentren und zur Hälfte aus Grafikkarte. Dort liegt die wahre Kraft unseres Gehirns.

Oder wie erklären Sie sich sonst, dass man Erwachsene wie Kinder mit zehn Minuten Kopfrechnen in die Verzweiflung treiben kann, während es offenbar niemandem Mühe bereitet, sechs Stunden lang auf einen flackernden Bildschirm mit ständigen Schnitten und Szenenwechseln zu schauen, darin enthaltene soziale Beziehungen zu durchschauen und noch Mutmaßungen darüber anzustellen, wer denn warum der Mörder gewesen sein könnte und zu diesem Zwecke gigabyteweise hochkomplexer Daten zu verarbeiten? Noch mehr: Menschen tun das zur Entspannung!

WOLKEN-Training zum Vertiefen

Auf dieser ersten Wolken-Grundübung basiert ein Kreativitätstraining, das ich für die Studierenden meiner Seminare an der Uni Konstanz entwickelt habe. Das Training hat sich als so mächtig erwiesen, dass ich es mit anderen Übungen zu einem Tool für Unternehmer und Künstler weiterentwickelt habe. Das WOLKEN-Training (Wahrnehmungs-orientierte Leistungssteigerung von Kreativität und Einfallsreichtum über Natürliche Fähigkeiten) macht seit 2015 Führungskräfte und ihre Teams innovationsfähiger, kommunikativer und beeindruckender.

Teilnehmende an der VLOW! 2016 bekommen gratis drei der speziellen Pareidolie-Karten aus dem WOLKEN-Training mit passenden Einzel- und Partnerübungen hier.

Laden Sie die Kreativitätsübungen herunter

Ihre Mailadresse stellen wir auch dem Autor zur Verfügung, damit dieser sich bei Ihnen melden kann. Er freut sich aber sicherlich, wenn Sie ihm von sich aus eine Email schreiben und danken. 🙂

Zusatzaufgabe: Legen Sie willkürlich einen Teil einer Wolke fest, der nicht wie ein Kopf aussieht und bestimmen Sie: das hier ist jetzt der Kopf von einem Wesen. Lassen Sie nicht locker, bis Sie das Wesen sehen, dessen Kopf der ausgewählte Teil ist.

Achtung: Könnte ulkig aussehen. Erklären Sie den Leuten ruhig, warum Sie schmunzeln. Sie sind jetzt einer von diesen beneideten Menschen mit dem kreativen Sprung in der Schüssel. Sie haben jetzt DIE GABE. Sie haben den ersten Schritt dazu gemacht, Ihre gewaltige Vorstellungskraft aktiv beim Gestalten und Lösen von Herausforderungen einzusetzen!

Wann immer Sie also warten: sehen Sie Dinge. Nicht nur in Wolken. In allem.

Zusatzaufgabe zwei: benennen Sie, was Sie sehen. Das hilft dabei, die Resultate greifbarer zu machen, fördert prägnante Artikulation und ist nützlich beim Angeben mit den eigenen Fähigkeiten. „Kreissägen schwingender Wurzellockenknecht“ klingt einfach spektakulärer als „halbes Gesicht“. Mit dieser Technik haben Sie in drei Minuten die Titel und die Geschichten für Ihre nächsten fünf Kinderbücher beisammen.

Übung zwei

Übung zwei ist eine Eine-Minute-Aufmerksamkeits-Clowns-Meditation. Toll, nicht? Wo immer Sie gerade sind, betrachten Sie Ihre Umgebung unter folgenden Annahmen:

  • Alles, was Sie sehen, ist genau gleich interessant. Alles.
  • Alles, was Sie sehen, sehen Sie in diesem Augenblick zum allerersten Mal

Sehen Sie sich um. Was verändert sich? Wenn Sie die Möglichkeit haben, Dinge zu berühren und zu erforschen, ohne andere Menschen gegen sich aufzubringen, tun Sie es. Nehmen Sie sich dafür so viel Zeit, wie Sie möchten. Üben Sie das Umschalten in diesen Modus immer wieder, nur für ein paar Sekunden. Probieren Sie es am besten jetzt gleich aus, damit Sie sich etwas darunter vorstellen können. Was geschieht?

Selbst und Flow

Ein Nebeneffekt dieser Übung ist, dass es erfahrungsgemäß still wird in Ihrem Kopf. Je mehr Sie sich dieser Übung hingeben, desto ruhiger.

Ihnen werden viel mehr Details auffallen als zuvor; mehr Material für Ihr Hirn, um unterhalb der Wahrnehmungsschwelle an Ideen zu basteln. Obendrein führt dieses Verlagern der Aufmerksamkeit auf die Außenwelt und ihre sinnlichen Aspekte dazu, dass die Region Ihres Selbst – also desjenigen Teils in Ihrem Gehirn, der zwischen Ihnen und dem Rest der Welt unterscheidet und der äußere Erwartungen an Sie und menschenrudelspezifische Hackordnungsinformationen manifestiert – heruntergedimmt wird.

Mit ihm assoziiert sind auch die benachbarte aktive Fehlererkennung im vorderen Zingulum (das den bekannten Balken – jenes Ding, welches die beiden Gehirnhälften verbindet – umringt) und die aktive, hemmende Selbstkontrolle. Indem Sie sich also den äußeren Eindrücken hingeben, werden Sie selbstvergessener und ruhiger.

Im Maximalfall kann Sie das in die Nähe des vielbeschriebenen Flow-Zustandes bringen, einen Zustand seliger, selbstvergessener, zielgerichteter Tätigkeit oder Produktivität. Obendrein bringt diese Meditation Sie in die Position, Situationen in Echtzeit zu verarbeiten, anstatt sich hinterher zu ärgern – pures Zen-Stressmanagement mit Präsenz-statt-Burnout also.

In meinen Trainings zu Führung und Auftrittskompetenz kommt diese Übung aus diesen und weiteren Gründen immer wieder vor. Zudem ein toller Zeitvertreib in der Supermarktschlange.

Filterkontrolle

Beide Übungen basieren auf dem Effekt der latenten Inhibition – eine Leistung Ihres Gehirns, die dafür sorgt, dass Sie sich auf Wesentliches konzentrieren können und nicht von der schieren Datenmenge aus Ihren Sinnesorganen und den zahllosen Prozessen an der Bewusstheitsgrenze erschlagen werden.

Der Nebeneffekt ist, dass dieser automatisierte Prozess auch Dinge herausfiltert, die für Sie interessant oder ergiebig sein könnten. Durch diese beiden Übungen lernen Sie, Ihre latente Inhibition zu steuern; Eine zentrale Voraussetzung für Vorstellungskraft und kreative Leistungen. Und natürlich die ideale Basis für weiterführende Trainings von Intelligenz, Kognition und Ideenreichtum. Denn:

Ideenreichtum kann man üben

Diese beiden Übungen sind gewissermaßen Hanteltraining für Ihre Kreativität. Sie öffnen Sie generell für Neues und stellen Ihrem Geist Material bereit, aus dem Sie bewusst und unbewusst gute Ideen entwickeln können.

Diese und andere meiner Übungen sorgen dafür, dass Sie auch aktiv eine Flut von Ideen erzeugen können und so Geistesblitze herstellen können, anstatt nur auf sie zu warten und zu hoffen. Nur durch eine gute Menge von Ideen kann man sicher stellen, dass durchschlagende Ideen darunter sind. Nutzen Sie also diese Erkenntnis.

Ideenreichtum kann man üben. Überall. Und wenn jemand Sie beim Schmunzeln erwischt: weihen Sie sie ein. Vielleicht wollen die sich Ihr Hirn auch mal ausleihen.

Autor: Mario Müller

Mario Müller ist Experte für Reizverarbeitung und die neurologischen Aspekte von Kreativität. Er ist selbst als Improvisationsschauspieler und Trainer für Ideenreichtum, Spontaneität, Präsenz und Wirkung für Unternehmen und Hochschulen in ganz Europa unterwegs, von Finnland bis Spanien und von Slowenien bis Großbritannien. Für die Vlow! schreibt er über Kreativität und Innovation.

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